Hohe Inflation + negative Erwartungen

Inflation über 7 Prozent ++ Massiver Anstieg der Kosten ++ Wachsende Schere zwischen Auftragseingang und Produktion ++ Produktionsrückgang seit Jahresbeginn

Inflation so hoch wie seit über 40 Jahren nicht mehr

Die Inflation in Deutschland ist mit derzeit über sieben Prozent deutlich zu hoch und damit weit entfernt von der Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank. Einzelne Produkte, viele Rohstoffe und Vorleistungen sind teilweise von weitaus höheren Preissprüngen betroffen. Das betrifft vor allem die Unternehmen, die unter den Preis- und Kostensteigerungen bei Einfuhr- und Erzeugerpreisen für Vorprodukte leiden, da sie diese nur zu einem geringen Maße an ihre Kund*innen weitergeben können.

Hauptgründe für die Inflation seit dem russischen Angriffskrieg sind vor allem die erheblich gestiegenen Energiepreise, Lieferengpässe und die teilweise gestörten bzw. gerissenen Lieferketten.

+7 %

sind im ersten Halbjahr 2022 die Preise für Verbraucher*innen in Deutschland gestiegen

+20 bis +30 %

sind die Kosten beim Einkauf für Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen

-4 %

liegt das Produktionsniveau unter dem Vor-Corona-Niveau von Februar 2020

-15 %

Das Vor-Rezessionsniveau von 2018 wird um mehr als 15 Prozent unterschritten

Kosten steigen schneller als Erlöse

Die Knappheit bei vielen Rohstoffen, Materialien und Produkten lässt die Preise kräftig steigen. Das trifft die Unternehmen noch stärker als die Konsument*innen. Während die Verbraucherpreise im ersten Halbjahr 2022 um knapp sieben Prozent höher lagen als im Vorjahreszeitraum, stiegen die Erzeugerpreise für industrielle Vorleistungen um 23 Prozent, die Einfuhrpreise für Vorleistungen um 24 Prozent. In einer bayme vbm Umfrage gaben 79 Prozent der Unternehmen an, in substanziellem Umfang von Kostensteigerungen betroffen zu sein, weitere 19 Prozent sind in geringem Umfang betroffen.

Finanzielle Basis der M+E Betriebe stark belastet

Die Kostensteigerungen betreffen neun von zehn Unternehmen und können nur in geringem Umfang an die Kunden weitergegeben werden. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass nur drei von zehn bayerischen M+E Unternehmen diese in ausreichendem Maße weitergeben können. Zwar liegen die Auftragseingänge über dem Niveau von 2018, aber die Schere zwischen Auftragseingängen und Produktion wird immer größer: Unternehmen können wegen des Materialmangels, fehlender Teile und Vorprodukte nur unzureichend produzieren und Umsätze erwirtschaften. Höhere Kosten auf der einen Seite und geringere Erlöse auf der anderen Seite belasten zunehmend die finanzielle Basis der Firmen. Dadurch werden die finanziellen Spielräume der Unternehmen weiter eingeengt und dringend erforderliche Investitionen – zum Beispiel beim Umstieg von Erdgas auf andere Energieträger und bei der Transformation – gefährdet.

Erwartungen im negativen Bereich

Auch 2022 ist ein schwieriges Jahr für die bayerische M+E-Industrie. Die Produktion müsste um mehr als 15 Prozent wachsen, um wieder das Vor-Rezessionsniveau von 2018 zu erreichen. Schon heute steht fest: Das ist angesichts des Ukraine-Krieges und der Null-Covid-Politik Chinas nicht zu schaffen. Im Gegenteil: Das Risiko eines Wirtschaftseinbruchs ist bei einer weiteren Eskalation des Ukraine-Krieges sowie im Falle des Eintretens massiver Gas-Engpässe riesig.

Obwohl die Lage derzeit von den Unternehmen mehrheitlich immer noch gut bewertet wird, haben die Sorgen gleichzeitig zugenommen. So liegen die Erwartungen der bayerischen M+E Betriebe für die kommenden sechs Monate im negativen Bereich. Der negative Trend wird von folgenden Fakten erhärtet:

  • Die Produktion sank vom Jahresbeginn bis zur Jahresmitte 2022 um knapp zwei Prozent.
  • Das Produktionsniveau liegt um fast vier Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau von Februar 2020.
  • Das Vor-Rezessionsniveau von 2018 wird aktuell um mehr als 15 Prozent unterschritten.
  • Die M+E Exporte liegen in der Summe der ersten sieben Monate 2022 auch wertmäßig noch um 6 Prozent unter dem Niveau von 2018.

Arbeitskosten liegen an der Spitze

Hohe Entgelte, sichere und mehr Arbeitsplätze kann es nur bei steigender Produktivität geben. Seit 2018 beträgt diese im Durchschnitt für die Gesamtwirtschaft nur 0,4 Prozent. Betrachten wir die M+E Industrie, sank die Produktivität im gleichen Zeitraum sogar um -1,9 Prozent pro Jahr. Da die Entgelte gleichzeitig weiter gestiegen sind, nahmen die für die internationale Wettbewerbsfähigkeit ausschlaggebenden Lohnstückkosten um durchschnittlich 4,3 Prozent pro Jahr zu. Damit sind in der bayerischen M+E Industrie die Arbeits- und die Lohnstückkosten mit die höchsten weltweit.  Wir müssen aufpassen, dass die Kosten den Standort Bayern und die M+E Industrie nicht gefährden. Das ist in unser aller Interesse – im Interesse der Unternehmen und der Beschäftigten.

Wir müssen Balance halten

Trotz der hohen Inflation müssen wir auf bezahlbare Entgelte achten. Es ist richtig, dass der Staat die Verbraucher*innen finanziell entlastet, um die Folgen der Preissteigerung abzumildern und die Kaufkraft zu stärken. Ein Ausgleich der Inflation durch höhere Lohnabschlüsse ist der falsche Weg. Dies würde eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen und die Inflation verfestigen. Das wäre auch nicht im Interesse der Beschäftigten.

Ihr Ansprechpartner
Maximilian Stoib
Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit +49 (0) 89 - 551 78-335 +49 (0) 151 - 57 66 59 26 E-Mail senden