Es muss für alle passen

Bezahlbare Entgelte. Elastische Lösungen. Beschäftigung sichern.

Die bayerische M+E Industrie bietet 855.000 Beschäftigten attraktive Arbeitsplätze und mit durchschnittlich über 65.000 Euro ein Jahresentgelt auf Spitzenniveau. Jetzt müssen wir aufpassen, den Wohlstand der vergangenen Jahrzehnte nicht aufs Spiel zu setzen. Wir treten für den Erhalt der Arbeitsplätze ein und müssen auch bei hoher Inflation auf bezahlbare Entgelte achten. Aufgrund der aktuellen Krisen und der Unterschiedlichkeit der M+E Betriebe brauchen wir elastische, automatisch differenzierbare Lösungen.

Seit 2018 sind die Tarifentgelte um 9,3 Prozent gestiegen

In den vergangenen Jahren haben die Beschäftigten in der bayerischen M+E Industrie von deutlichen Entgeltsteigerungen profitiert. Nach der kräftigen Tabellenerhöhung von 4,3 Prozent im Jahr 2018 wurden insgesamt drei Sonderzahlungen vereinbart, die tarifdynamisch sind – also mit den künftigen Tarifsteigerungen mitwachsen und somit faktisch eine Tabellenerhöhung sind. Hierzu zählen:

  1. der T-ZUG A (Tarifliches Zusatzgeld) in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatsentgelts
  2. der T-ZUG B mit knapp 400 Euro
  3. das Transformationsgeld, das in diesem Jahr 18,4 Prozent eines Monatsentgelts entspricht und ab kommendem Jahr auf 27,6 Prozent steigt

Zusätzlich kamen 2020 ein Finanzierungsbeitrag in Höhe von 350 Euro und 2021 eine steuerfreie Corona-Beihilfe von 500 Euro hinzu. In Summe liegt damit das durchschnittliche effektive Tarifentgelt in der M+E Industrie Bayern im Jahr 2022 bei 65.280 Euro. Das ist im Vergleich zu anderen Branchen Spitzenniveau. Wir stellen fest: Die Beschäftigten in der M+E Industrie sind auch in den zurückliegenden Krisenjahren fair beteiligt worden. Der langjährige Anstieg der M+E Entgelte lag immer über der Teuerungsrate. Dadurch hatten die Mitarbeitenden auch real mehr Geld zur Verfügung.

12.09.22
Schnell informiert: Die wichtigsten Fakten zum Auftakt der Tarifrunde 2022 der bayerischen M+E Industrie

Oberstes Ziel der Arbeitgeber in der anstehenden Tarifrunde ist die Stabilisierung und Sicherung der M+E Industrie und deren Arbeitsplätze.

Für unsere Zukunft ist entscheidend, dass wir die M+E Industrie in Bayern sichern und die erforderlichen Qualifikationen und Ausbildungskapazitäten in den Betrieben erhalten. Dazu benötigen die Unternehmen Planungssicherheit und Stabilität. Derzeit arbeiten 855.000 Beschäftigte in der bayerischen M+E Industrie. Seit dem letzten Tiefstand nach der Finanz- und Wirtschaftskrise im Frühjahr 2010 haben unsere Unternehmen 120.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Das war eine Investition in die Zukunft. Die für Unternehmen erforderliche Planungssicherheit muss deshalb auch mit einer langen Laufzeit des kommenden Tarifvertrags erreicht werden.

Wir müssen uns wieder am Produktivitätswachstum orientieren

Hohe Entgelte, sichere und mehr Arbeitsplätze kann es nur bei steigender Produktivität geben. Seit 2018 beträgt diese im Durchschnitt für die Gesamtwirtschaft nur 0,4 Prozent. Betrachten wir die M+E Industrie, sank die Produktivität im gleichen Zeitraum sogar um -1,9 Prozent pro Jahr. Da die Entgelte gleichzeitig weiter gestiegen sind, nahmen die für die internationale Wettbewerbsfähigkeit ausschlaggebenden Lohnstückkosten um durchschnittlich 4,3 Prozent pro Jahr zu.

Damit sind in der bayerischen M+E Industrie die Arbeits- und die Lohnstückkosten mit die höchsten weltweit. Wir müssen aufpassen, dass die Kosten den Standort Bayern und die M+E Industrie nicht gefährden. Das ist in unser aller Interesse – im Interesse der Unternehmen und der Beschäftigten.

Wir brauchen elastische Lösungen für die M+E Betriebe

Trotz des bereits existierenden Spitzenentgelts steuern unsere Unternehmen auf einen Arbeitskräftemangel zu. Ein Argument der IG Metall lautet, dass mit acht Prozent mehr Lohn die Arbeitsplätze in der M+E Industrie attraktiver werden. Wir sind der Meinung, dass die Arbeitsplätze bereits sehr attraktiv sind und sich der bestehende Arbeitskräftemangel nicht durch höhere Löhne beheben lässt. Vielmehr brauchen wir eine Flexibilisierung der tariflichen Arbeitszeit. Deshalb fordern wir, dass die tarifliche Möglichkeit für 40-Stunden-Verträge ausgeweitet wird. Damit würde den Betrieben mehr Arbeitskraft zur Verfügung stehen und mehr Beschäftigte könnten – ausgehend von einer 35-Stunden-Woche – mehr verdienen, wenn sie dies wollten.

Wir müssen der Heterogenität der M+E-Industrie Rechnung tragen. Denn so unterschiedlich die Produkte der Unternehmen sind, so unterschiedlich ist die Lage der Betriebe. Wir müssen Tarifverträge für alle Mitgliedsbetriebe abschließen und nicht nur für die, deren Geschäfte gerade gut laufen. Deshalb brauchen wir mit Differenzierungselementen elastische Lösungen, um den unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht zu werden. Diese müssen automatisch greifen – damit sich die Unternehmen in schlechten Zeiten auf Entlastungen verlassen können und nicht am Widerstand der Gewerkschaft scheitern. Ein positives Beispiel ist die in der Tarifrunde 2021 vereinbarte automatische Differenzierung, die sich an der Nettoumsatzrendite des Unternehmens orientiert und in der Praxis bewährt hat.

Wir brauchen moderne und interessengerechte Tarifverträge

Um den internationalen Standortwettbewerb für uns zu entscheiden, brauchen wir moderne und interessengerechte Tarifverträge. Um die Tarifflucht zu verhindern, müssen wir insbesondere interessengerechte Tarifverträge abschließen. Um es klar zu sagen: Über die Jahre hat sich die Arbeitskampfparität deutlich in Richtung der Gewerkschaften verschoben. Unsere Unternehmen sind aufgrund des internationalen Wettbewerbs und der globalen Just-in-time-Lieferketten verletzlich für (Tages-) Streiks. Das halten wir für nicht mehr zeitgemäß.

Wir müssen Balance halten

Nur mit Maß und Mitte werden wir die aktuellen und die kommenden Krisen meistern. Wir fordern die IG Metall auf, mit uns einen ausgewogenen Tarifabschluss zu vereinbaren.

Ihr Ansprechpartner
Maximilian Stoib
Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit +49 (0) 89 - 551 78-335 +49 (0) 151 - 57 66 59 26 E-Mail senden